Es hätte ein Vorzeigeobjekt dafür werden können, wie die Stadt dem Wohnungsmangel auf den Leib rückt. Stattdessen ist es zu einem Schulbeispiel dafür verkommen, wie mutlos, ja geradezu widerwillig die Stadt das Problem anpackt. Die Rede ist vom Josef-Areal. Die Geschichte ist viel zu lang, um hier vollständig wiederge- geben zu werden. In aller Kürze: Die Kehrichtverbrennung Josef strasse wurde 2020 endgültig stillgelegt. Sie war aber bereits 2011 aus der kantonalen Abfallplanung entlassen worden. Seit 15 Jahren war also bekannt, dass in der Nähe der Hardbrücke und der Josefwiese ein 20 000 Quadratmeter grosses, bestens erschlossenes Areal frei würde. In einer ersten Planungsphase sah der Stadtrat zwar ein Alterszentrum mit 120 Pflegeplätzen, sonst aber keine einzige Wohnung vor. Als ob er noch nie vom Wohnungsproblem in der Stadt gehört hätte. Dabei hatten die Zürcher ebenfalls 2011 für das sogenannte Drittelsziel gestimmt. Man wusste also, wo der Schuh drückte. Das Areal befinde sich halt in einer Zone für öffentliche Bauten, und da seien nur Alterswohnungen möglich, so die Begründung. Auf die Idee, dass sich das ändern lassen könnte, war in all der Zeit offenbar kein Planer gekommen.
Aufgrund des öffentlichen Aufschreis bemühte sich der Stadtrat schliesslich um eine «Vertiefungsstudie». Nun sollen immerhin bis zu 170 gemeinnützige Wohnungen und 135 Alterswohnungen möglich sein. Warum erst jetzt? Und warum so mutlos? Die Parteien hatten 300 gemeinnützige Wohnungen vorgeschlagen, Planer sehen Raum für deren 600!
Die Planung muss praktisch wieder bei null anfangen: neues Entwicklungskonzept, Machbarkeitsstudie, Architekturwettbe werb, Gestaltungsplanverfahren. Bestenfalls könnte 2034 mit dem Bauen begonnen werden. Das wären dann 23 Jahre (!), seit man weiss, dass das Areal frei wird. Zeit genug, sich daran zu erinnern, dass auch die Wohneigentumsförderung in der Verfas sung verankert ist. Würde das Areal tatsächlich maximal genutzt, will sagen 300 Wohnungen mehr gebaut, könnte ein Teil davon im Stockwerkeigentum verkauft werden. Das würde zu einer guten Durchmischung beitragen.
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