Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) breitet sich in der Schweiz massiv aus. 2026 erleben wir Befallszahlen, die Gemeinden und Eigentümer überfordern – und wegen der klimatischen Bedingungen sind besonders viele Raupen mit Brennhaaren unterwegs. Was für Naturfreunde eine biologische Beobachtung wert ist, kann für Hauseigentümer ein Gesundheits- und auch ein Sicherheitsrisiko darstellen. Der Hauseigentümer ist verpflichtet, nach dem Stand der Technik die Umgebung vor Gefahren zu schützen, die von seinem Baum ausgehen.
Wichtig: Der Eichenprozessionsspinner befällt fast ausschliesslich Eichen. Haben Sie keine Eichen im Garten, ist dieses Problem für Sie wahrscheinlich nicht relevant. Haben Sie Eichen, sollten Sie diese beobachten.
Woran erkennt man einen Befall?
Die Raupen sind von Mai bis Juli aktiv. Typische Anzeichen:
- Gespinste: Weissliche, wattebauschartige Nester im Stammbereich oder in Astgabeln
- Prozessionsverhalten: Raupen bewegen sich charakteristisch in Reihen
- Kahlfrass: Starker Befall führt zu sichtbaren Kahlfrassstellen
Unterschätzte Gefahr: die Brennhaare
Hier ist der kritische Punkt, den viele übersehen: Die gefährlichsten Haare sieht man nicht. Nicht die groben Haare sind das Problem, sondern die feinen unsichtbaren.
Ab dem dritten Larvenstadium produzieren die Raupen Brennhaare mit dem Nesselgift Thaumetopoein. Diese winzigen Haare lösen sich ab – von lebenden Raupen, von toten Raupen, von alten Nestern. Besonders tückisch: Die Haare bleiben auch in verlassenen Nestern und in der Umgebung der befallenen Bäume oft über lange Zeit erhalten und können noch Jahre später Beschwerden verursachen. Der Kontakt kann zu allergischen Reaktionen führen, die bis zwei Wochen anhalten können: Hautausschlag, Atembeschwerden, Augenentzündungen. Manchmal wird sogar ein Arztbesuch notwendig.
2026 ist besonders kritisch: Die warmen Temperaturen haben zu einer stärkeren Vermehrung und besonders hoher Raupen- und Haarkonzentration geführt, mehrere Freibäder mussten bereits vorübergehend gesperrt werden.
Das müssen Sie bei einem Befall tun
- Nicht selbst handeln. Finger weg von den Nestern. Ein falscher Griff kann für die ganze Familie gesundheitliche Folgen haben.
- Bereich absperren. Wenn Sie einen Befall vermuten oder sehen, markieren Sie den Bereich sofort. Warnen Sie Familie, Gäste, Nachbarn. Ein Befall sollte den öffentlichen Diensten oder einem Baumpflege-ldet werden.
- Experten kontaktieren. Es ist wichtig, dass der Baumpflege-Betrieb Erfahrung im Eichenprozessionsspinner-Management hat. Ein solcher Betrieb arbeitet meistens unter Vollmontur – zertifizierte Schutzausrüstung, spezialisierte Absaugtechnik oder Aufbringung von Zuckerlösung, Nachkontrolle. In diesem Jahr wurden bereits viele Befälle behandelt – darunter solche mit über 20 Nestern an einem Baum. Wird der Befall professionell behandelt, sind die Brennhaare weg.
Schnelle Bekämpfung
Warten Sie jedoch nicht, bis 20 Nester an einem Baum hängen. Eine schnelle Bekämpfung ist wichtig und sieht folgendermassen aus:
- Absaugen unter Vollschutz
- Nachkontrolle (auch versteckte Nester)
- Wasserspülung zur Bindung der restlichen Haare
Eine weitere Möglichkeit ist das Aufspritzen einer Zuckerlösung über die Nester, die dann glasig verhärtet, so dass Raupen und Brennhaare fixiert sind. Das Produkt ist biologisch abbaubar.
Prävention mit Nematoden
Eine vorbeugende Lösung stellt die NematodenBehandlung im April und Mai dar. Dabei werden spezialisierte Fadenwürmer (Nematoden) auf den Blättern der Eiche ausgebracht. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners fressen die befallenen Blätter und nehmen die Nematoden auf. Diese dringen in die Raupen ein und töten sie ab. Der Befall entsteht erst gar nicht.
Eine solche Behandlung funktioniert nur bis Mitte Mai, bevor die Raupen das dritte Larvenstadium erreichen und die Brennhaare entwickeln. Wird der Befall später entdeckt, helfen nur noch das Absaugen oder das Aufbringen der Zuckerlösung.
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